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Volker Biesenbender Volker Biesenbender

Volker Biesenbender, geboren in Duisburg, BRD, studierte unter anderem an der Yehudi Menuhin School in England und in Tel Aviv. Nachdem er mehrere Wettbewerbe gewonnen hatte, z.B. den Israelischen Hochschulwettbewerb (1. Preis) und den Concours "Yehudi Menuhin", Paris (1. Preis für Improvisation), spielte er als Solist mit zahlreichen Orchestern, so z.B. mit der Dresdener Staatskapelle, der Philharmonia Hungarica, dem Radioorchester TSI.

Er trat beim Yehudi-Menuhin-Festival in Gstaad auf, beim Turku- und Korsholm-Festival in Finnland, bei den Engadiner Festwochen und beim Radio-Festival de Montpellier.
Nach dem Studium historischer Aufführungspraxis an der Schola Cantorum Basel gab er zahlreiche Recitals mit Cembalo und Hammerflügel (Partner u.a. Andreas Staier) und spielte in mehreren europäischen Städten den Zyklus von Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo. Gleichzeitig setzte er sich mit anderen musikalischen Traditionen und mit der Improvisation auseinander.
Er unternahm Tourneen mit afrikanischen, indischen und arabischen Musikern und spielte mit so verschiedenartigen Künstlern wie Yehudi Menuhin, Stéphane Grappelly, dem Zigeunergeiger Titi Winterstein und dem phänomenalen südindischen Geiger Subramanian. Andere Partner waren z.B. der türkische Percussionist Burhan Oecal, der Steptänzer Fabien Ruiz, der Jazzmusiker George Gruntz. Mit seinem eigenen multistilistischen "Trio Avodah" gab er hunderte von Konzerten in fast allen Ländern Europas.
Biesenbender schrieb ein viel gelesenes Buch über Musikpädagogik ("Von der unerträglichen Leichtigkeit des Instrumentalspiels") und zahlreiche in mehrere Sprachen übersetzte Artikel über seine musikalischen Erfahrungen. 1993 erschien ein Portrait des Künstlers im amerikanisch/englischen Musikmagazin "The Strad" unter dem Titel "An Improvisatory Rebirth". Seit 1998 ist Biesenbender Hochschullehrer für Improvisation an der Hochschule Zürich/Winterthur.
Sein Mentor Yehudi Menuhin, unter dessen Stabführung er noch kurz vor dessen Tod die erste Bartók-Rhapsodie einspielte, wies in vielen Interviews und Artikeln enthusiastisch auf Biesenbenders künstlerische Vielseitigkeit hin und beschrieb ihn ausführlich in seiner Autobiografie "Unterwegs". Zahlreiche Rundfunk- und Fernsehaufnahmen, vier CDs und eine eigene Konzertreihe in Basel ("Musik zwischen den Stühlen") dokumentieren seine weit gespannten Aktivitäten.
1999 wurde Volker Biesenbender der hoch dotierte Kulturpreis des Kantons Basel-Landschaft in der Sparte Musik verliehen.
Der Künstler spielt zur Zeit eine Guarneri von 1737.


Rezension:

  VERSCHLUNGENES ABENTEUER AUF DER GEIGE

Improvisationen von und mit Volker Biesenbender zwischen Violinsonaten von Bach im Neuen Museum auf Schloss Salem

Von Gabi Rieger - SÜDKURIER, 28. Januar 2003


H
errlich stark "Musik gemacht" hat der Basler Geigenvirtuose Volker Biesenbender mit seinen quasi "ad hoc" Improvisationen zwischen der meisterhaft interpretierten Partita Nummer zwei und der ersten Sonate aus Bachs "Sonaten und Partiten für Violine solo". Biesenbender hat damit seinem Publikum im "Neuen Museum" von Schloss Salem ein nicht gerade alltägliches Konzerterlebnis beschert, das begeistert umjubelt wurde. "Jetzt wissen Sie, worum es mir bei CASACORDA geht", strahlte zum Abschied Jörg Walesch, der vor einem Jahr das "Streicherhaus" mit Sitz in Salem als Zentrum für Internationale Streichermusik gründete. Zwölf Mitglieder gehören dem im Wachsen begriffenen Förderverein an, zu dessen Gunsten Biesenbender konzertierte.
Jörg Walesch, ausgebildeter Geigenlehrer und Mentor an der Schule Schloss Salem, verfolgt mit CASACORDA das Ziel einer weltoffenen und integrativen Zusatzausbildung von professionellen Streichern, Studenten oder auch fortgeschrittenen Amateuren in Toleranz jedweder musikalischer Kultur. Darüber hinaus soll das Konzerte, Kurse, Seminare, Workshops oder Symposien umfassende Projekt auch Ideenbörse und Treffpunkt für Streicher aus aller Welt sein. Dementsprechend außergewöhnlich wurde dann auch die gutbesuchte Soirée erlebt, in der - abgesehen von zuweilen störenden haustechnischen Geräuschen aus dem Hintergrund - alles bis aufs i-Tüpfelchen stimmte. Weit über 100 Besucher, eine hervorragende Akustik und natürlich der Protagonist, der auf der Basis meisterhaften Könnens mit natürlichem Selbstverständnis so wohltuend musikantisch Geige spielte. Der konzerterfahrene, mit bedeutenden Preisen ausgezeichnete Musiker studierte Geige bei Yehudi Menuhin und wirkt als Improvisationslehrer an der Musikhochschule in Basel, wo er auch die Konzertreihe Zwischen den Stühlen unterhält.



Neben seiner Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten musikkulturellen Traditionen gilt sein Engagement der Improvisation. "Das wird ganz spannend, denn da spielt er, was ihm gerade einfällt", hatte diesen Begriff eine musikbegeisterte Omi ihrem etwa achtjährigen Enkel erläutert. Er war eins von den zahlreichen Kindern im Publikum, die mindestens genauso fasziniert und mucksmäuschenstill den Vorträgen lauschten wie alle Erwachsenen auch. Den enthusiastischen Applaus von Klein und Groß quittierte der Geigenvirtuose mit einem berührenden "Abschiedsständchen" in Form des "Andante" aus Bachs zweiter Violin-Sonate. Die prachtvollen sechs Sonaten und Partiten für Violine solo BWV 1001-1006 (entstanden um 1720) stellen höchste spieltechnische und musikalische Anforderungen an den Interpreten und bilden bis heute einen Höhepunkt in der solistischen Violinmusik. Dem Adagio aus der zauberhaft interpretierten Partita hatte Biesenbender mit verjazzter Betonung zu später Stunde übermütig "einen kleinen Swing" verpasst. Dem großen Variationssatz der berühmten Chaconne, in welche die Kernsätze der bewegenden Tanzsuite "Partita II in d-Moll" münden, verpasste der Improvisationskönig "eine im Zug auf der Herfahrt überlegte kleine Fußnote". Mit dem ersten - bachbezogenen - Satz "Tempo di chaconne" aus der Solosonate von Bartók bewegte er sich in dessen Stil gestrichen wie gezupft zwischen Virtuosität und atonaler Schräglage.
Die vor Staunen kreisrund geformten Lippen hier und da im Publikum entspannten sich dann wieder mit der jazzig virtuosen Zigeunerglückseligkeit im Stil von Django Reinhardt. "Wunderbar" waren die ersten - gehauchten - Zuhörerkommentare in der von den "Publikumskindern" ausgiebig zum Herumtollen genutzten Pause, nach der es die Sonate Nr. 1 in g-Moll (BWV 1001) zu hören gab. Sein virtuoses Finale krönte der Musiker mit einer Improvisation zum Thema "B-A-C-H", einem wunderschönen chromatischen, labyrinthisch verschlungenen Abenteuer auf der Geige.




© Jörg Walesch •
jwalesch @ casacorda.de